aktive väter

Aktive Väter ist eine in den letzten Jahren entstandene Bezeichnung für Männer, die sich, anders als es im Rahmen der traditionellen Verteilung der Geschlechterrollen in Bezug auf familiale Aufgaben üblich war, in großem Maße bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder engagieren. Wie die Erkenntnisse der Väterforschung zeigen, ist dieser Wandel aus Sicht der Kinder ganz entschieden zu begrüßen.

Hauptartikel: Zur Bedeutung von Vätern

 

Im Allgemeinen geht dieses Engagement auch mit einer bei stärkeren Beteiligung bei der Hausarbeit einher.

 

Eine solche Haltung bzw. eine wirklich partnerschaftliche Aufgabenteilung wird von der Politik seit längerem gefordert. Während der Dauer einer Beziehung begrüßen Frauen mehrheitlich den entsprechenden Einsatz von Vätern (zumindest bei "Ich-schwachen" Frauen kann es mitunter jedoch zu Rivalitäten und Eifersüchteleien kommen). Nach einer Trennung sieht es dagegen plötzlich anders aus: Dann beanspruchen die allermeisten Frauen auch gegenüber aktiven Vätern ganz selbstverständlich Exklusivrechte in Bezug auf Umgang mit den Kindern - nur die Allerwenigsten sind zur Einrichtung eines paritätischen Wechselmodells bereit - und natürlich fordern sie - sogar dann, wenn das Familieneinkommen zuvor überwiegend von ihnen erwirtschaftet wurde - Unterhaltszahlungen. Bis dato finden sich in Deutschland noch genügend FamilienrichterInnen, die bei einem derartigen Irrsinn mitspielen.

Einleitung

Am Ende ihres fast hundertjährigen Lebens wurde Astrid Lindgren gefragt, welche gesellschaftliche Veränderung in diesem Zeitraum die wichtigste gewesen sei. Ohne Zögern nannte sie die Tatsache, dass die Männer Väter geworden sind. Und wer mit offenen Augen durch deutsche Städte streift, sieht tatsächlich Erstaunliches. Auf Straßen, Spielplätzen, in Parks - überall kann man sie sehen, die aktiven Väter. Männer tragen ihre Babys auf dem Rücken, vor dem Bauch, auf der Hüfte, Väter schieben ihre Kinder im Kinderwagen oder im Buggy.

Mittlerweile ist ein solcher Anblick für uns gewohnt. Doch wer wie ich in den 1950er Jahren aufgewachsen ist oder in alten Fotoalben blättert, dem fällt diese Entwicklung deutlich auf. Zwar haben auch früher Männer Kinder gezeugt und waren Väter, doch waren es eher passive Väter. Väter deren Rolle überwiegend im Geldverdienen bestand und die man vor allem selten auf der Straße mit ihrem Nachwuchs sah. [...] In ihrem Zeitungsartikel erinnert sich die Autorin Sibylle Tönnies: "Als meine Mutter Kind war, wurde ein preußischer Offizier noch degradiert, wenn er dabei erwischt wurde, dass er einen Kinderwagen schob."[1]

Versuch einer Definition

Als aktive Väter werden Väter bezeichnet, die sich intensiver als früher bei Männern üblich um die Versorgung und Erziehung ihrer Kinder kümmern.

Sie stehen im Gegensatz zu traditionellen Vaterfiguren, die mal als "abwesende Väter", mal als autoritärer Patriarch oder gar Tyrann stilisiert werden, wobei es zu Überschneidungen kommen kann. Das Desinteresse des erstgenannten Typus zeigt sich unter anderem in einem sehr hohen Zeitaufwand für den Beruf zu Lasten der Familie. Aber auch zuhause sind solche Väter oft distanziert bzw. übernehmen keine oder kaum Pflichten bei der Hege und Pflege ihrer Kinder, sondern ziehen sich vor ihnen zurück. Dieses Phänomen kann allerdings auch bei nicht erwerbstätigen Vätern auftreten.

Ab wann von einem "aktiven Vater" gesprochen werden kann, ist bis dato nicht allgemeingültig definiert, was indessen auch schwierig sein dürfte. Insofern werden in verschiedenen Studien unterschiedliche Zahlen genannt. Fakt ist aber, dass der Begriff keineswegs nur solche Väter umfasst, die als Hausmänner den weit überwiegenden Anteil der Betreuung und Förderung ihrer Kinder übernehmen, sondern es sind auch berufstätige Väter gemeint, die verglichen mit vergangenen Zeiten deutlich mehr Engagement zeigen.

Prozentualer Anteil laut Studien und Statistiken

Nach der Väterstudie von Professor Gerhard Amendt aus dem Jahr 2000 sind in Deutschland mittlerweile ca. 25 % der Väter dieser Gruppe zuzurechnen. Die Untersuchung von Schmidt-Denter aus dem Jahr 1984 bezeichnet sogar 41 % als "aktive Väter".[2]

Aufschlussreich sind außerdem Zahlen aus Ländern, wo der Gesetzgeber Vätern nach einer Trennung die Implementierung paritätischen Umgangs zugesteht. In Belgien machen von dieser Möglichkeit derzeit 27 % der Väter Gebrauch, in den USA sind es rund 25 %.

Diese Zahlen belegen, dass Männer keineswegs per se ihren Kindern gegenüber gleichgültig wären, wie es von feministischen Kreisen lange behauptet wurde (einige erkenntnisresistente Vertreterinnen ihrer Zunft strapazieren immer noch unverdrossen dieses Klischee). Umgekehrt lassen diese Zahlen aber auch erkennen, dass es offenbar viele Männer gibt, bei denen das Interesse an der Übernahme von Erziehungsaufgaben nicht so stark ausgeprägt ist. Derartige Rückschlüsse erlauben Statistiken aus Schweden, nach denen dort lediglich ca. 20 % der Väter den gesetzlichen Anspruch auf Erziehungsurlaub bei voller Lohnfortzahlung wahrnehmen (erwähnt im Buch "Die vaterlose Gesellschaft" auf Seite 78). Anders als in Deutschland ist es kaum glaubhaft, dass Väter, die sich für diese Option entscheiden, in einem fortschrittlichen Land wie Schweden Nachteile bei der Karriere in Kauf zu nehmen hätten.

Väter zeigen ein steigendes Interesse an der Elternzeit - Mütter sind skeptisch

Laut der FAZ erleben Unternehmen einen Ansturm von Vätern, die in Elternzeit gehen wollen. Sogar agile Fünfzigjährige würden zuweilen in den Büros ihrer Chefs auftauchen und Baby-Auszeiten einfordern. Seit der Einführung des Elterngeldes 2007 habe sich die Zahl der Männer in Elternzeit mehr als verfünffacht. Inzwischen würde rund ein Viertel aller frischgebackenen Väter mindestens eine Auszeit von zwei Monaten nehmen, wie das Statistische Bundesamt für 2012 vermeldete.[3] Knapp 5 Prozent der Väter bezögen es länger als die zwei Monate, die obligatorisch sind, wenn das Paar die Bezugsdauer von 14 Monaten erreichen will. Durchschnittlich zweieinhalb Monate bekämen diese Väter das Elterngeld; wenn sie sich allein um das Kind kümmern würden, also ohne dass die Mutter parallel den Transfer bezieht, würden sie es 3,4 Monate in Anspruch nehmen. Väter, die dagegen ein Jahr oder länger zu Hause bleiben, würde die Statistik gar nicht ausweisen. Ihr Anteil dürfte verschwindend gering sein. Wer so lange von der Arbeit wegbleibt, gelte als Exot - und würde mit Fragen konfrontiert, die sonst nur Frauen kennen.[4]

Allerdings wird auch kritisch angemerkt, die ganzen Mühen seien zumindest in gesellschaftlicher Hinsicht umsonst, wenn die Elternzeit nur eine Episode im Lebenslauf der Väter bliebe. Nach der Geburt des ersten Kindes würde häufig eine sogenannte Retraditionalisierung stattfinden, heißt es etwa in der Trendstudie "Moderne Väter", die von der "Väter GmbH" veröffentlicht wurde. Will sagen: Der Vater geht weiter in Vollzeit arbeiten, die Mutter bleibt zu Hause oder arbeitet in Teilzeit, selbst wenn sie einen vergleichbaren Abschluss hat. Laut diverser Studien liege das aber nicht am Arbeitgeber, sondern daran, dass viele Frauen den Vätern ihrer Kinder anscheinend immer noch herzlich wenig zutrauen würden, wenn es um die Erziehung des Nachwuchses geht.[3]

Forsa-Studie 2014

Laut einer Forsa-Studie verbringen junge Väter mehr Zeit mit ihren Kindern als die Älteren. Bei den 20- bis 39-jährigen Vätern widmet sich mehr als ein Viertel (26 Prozent) – nach Selbsteinschätzung – an einem durchschnittlichen Wochentag zwei bis drei Stunden mit dem Nachwuchs. Von den älteren Vätern sind es nur 10 Prozent. Sympathischerweise empfindet fast die Hälfte der jüngeren Väter die gemeinsam mit ihrem Kind oder ihren Kindern verbrachte Zeit als "nicht ausreichend". Nur 12 Prozent meinen, sie hätten nicht genug Zeit für ihren Nachwuchs. Noch eine Generation zuvor war es für die Nachkriegsväter selbstverständlich, dass Wiederaufbau und berufliches Fortkommen oberste Priorität besaßen. Auch bei vielen 68ern standen Selbstverwirklichung und Karriere höher im Kurs als Vater- und Hausmannspflichten. Kinder waren, unabhängig von der politischen Gesinnung, meistens einfach Frauensache.

So optimistisch klingen nun die Zahlen der neuen repräsentativen Forsa-Befragung zum Thema Väter in Deutschland. Sie will zeigen, wie die Väter ihre eigene Vaterrolle sehen, wie sich ihre Lebenssituation seit der Geburt des Kindes geändert hat und wie sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen. Aber die Euphorie für die in den Medien spätestens seit Sigmar Gabriel allseits hochgelobten neuen Väter erschöpft sich beim Weiterlesen. Zwar wird Kindererziehung stärker als früher als Eltern- und nicht nur als Mütterprojekt wahrgenommen und viele Väter haben Spaß an ihren Kindern. Sie gehen heute in Geburtsvorbereitungskurse, in den Kreißsaal und anschließend mit Babytrage shoppen. Aber die Begeisterung oder das Verantwortungsgefühl reicht nicht so weit, dass sich substanziell etwas an der Lastenverteilung zwischen Müttern und Vätern geändert hätte: Nur ein Viertel der engagierten neuen Väter hat sich bis zu zwei Monaten Elternzeit genommen. Vier bis sechs Monate Elternzeit nahm genau 1 Prozent der Väter – soviel Elternzeit nimmt beinahe jede Mutter. Und das, obwohl fast die Hälfte aller Väter glaubt, dass sich die Elternzeit nicht negativ auf die Karrierechancen der Männer auswirkt. Unlängst hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen vom Mikrozensus für Teilzeitarbeit veröffentlicht. Während 69 Prozent aller erwerbstätigen Mütter Teilzeit arbeiten, sind es genau 5 Prozent aller Väter.[5]

Aktive Väter aus feministischer Sicht

Feministinnen mögen aktive Väter überhaupt nicht, da sie das Fürsorgemonopol der Mutter bedrohen und dem immer noch kolportierten, dümmlichen Klischee widersprechen, Männer wären an ihren Kindern generell desinteressiert. Die oben beschriebenen Väter, welche gerade wegen der von ihnen vor der Trennung gepflegten, intensiven Beziehung zu ihren Kindern besonders unter dem völligen oder zumindest weitgehenden Kontaktabbruch leiden, werden im menschenverachtenden Jargon der Radikalfeministinnen als "Heulsusen", "Kümmerer" und "neue Leidensmänner" verhöhnt. Ein besonders schönes Beispiel für die Intellektualität des feministischen Diskurses ist der Artikel "Jammernde Väter" von Birgit Gärtner, der, man mag es nicht glauben, am 05.08.2010 verfasst wurde.[6] Fast noch lesenswerter ist die Rechtfertigungsarie von Frau Gärtner, die sie 10 Tage später veröffentlichte, nachdem ihr Beitrag - auch von zahlreichen Geschlechtsgenossinnen - sehr leidenschaftlich kommentiert worden war.[7]

Weil aktive Väter eine Bedrohung für das Feindbild "Vater = Mann = Schwein" sind, wird ihre Existenz von profeministischen Familienforschern schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Üppig mit öffentlichen Fördermitteln ausgestattet dürfen Leute wie Andreas Lange vom "Deutschen Jugendinstitut München" oder Hans Bertram aus Berlin bekunden, "die" Männer würden viel zu sehr an alten Rollenklischees kleben, um sich wirklich aktiv und präsent in ihren Familien zu engagieren (zu lesen in der Zeitschrift "Brigitte", Ausgabe 4/2008). Wenn hier etwas klebt, dann ist es aber wohl eher das beharrliche Festhalten an diesem dämlichen Vorurteil durch verpudelte Claqueure des Feminismus.

Zum Trennungsrisiko aktiver Väter

Zwar wird gerade auch von Frauen immer wieder die Forderung erhoben, Männer müssten sich bei der Betreuung und Förderung ihrer Kinder stärker engagieren. Tun sie es, nützt ihnen das im Einzelfall aber oft nichts. Wie aus zahlreichen Fallgeschichten hervorgeht, werden aktive Väter wohl zumindest nicht seltener verlassen als Väter, die vorher die klassische Versorgerrolle wahrgenommen hatten. Während letztere zu hören kriegen, sie wären ja sowieso nie zu Hause gewesen und hätten sich ohnehin nicht für ihre Kinder interessiert, entsteht bei aktiven Vätern leicht eine Rivalität, mit der viele Frauen offenbar nicht klarkommen. Der Partner wird als Konkurrent im Ringen um Liebe und Respekt der Kinder empfunden, seine Entsorgung scheint vielen Frauen, die das Gefühl haben, der Vater nehme zuviel Einfluss auf die Kinder bzw. genieße die größere Wertschätzung, der naheliegende Ausweg. Wenn es im Trennungsfall um Kinderbesitz und Unterhaltsansprüche geht, reden Mütter die Leistungen solcher Väter dann häufig mit unglaublichen Lügengeschichten klein.

Auch vor dem Familiengericht ist es letztlich egal, ob sich ein Mann vor der Trennung gekümmert hat oder nicht. Vätern, die sich für ihre Familie krummgelegt haben, um Geld ranzuschaffen, werden unter Verweis auf das Kontinuitätsprinzip und mit der Begründung entsorgt, zwischen ihnen und den Kindern gäbe es keine innigen Bindungen. Bei aktiven Vätern leiten sophistische Gerichtsgutachter, die in tradiertem Rollendenken verhaftet sind bzw. auf Geheiß von FamilienrichterInnen die Kinder der Mutter in die Hände spielen sollen, aus der "anormalen" Orientierung von Männern auf familiäre Aktivitäten dann Indizien für eine problematische Persönlichkeit ab und bestreiten paradoxerweise gerade wegen des erzieherischen Engagements von Vätern deren Erziehungsfähigkeit (mehr zu diesen gutachterlichen Verrenkungen im Abschnitt "Grundmuster" des Beitrags "Familienpsychologische Gutachten").

Aktive Väter als Hauptverlierer bei Trennungen

In ihrer Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 schreibt Irene Labner auf den Seiten 32 und 33:

Zitat:

«Der nächste Grund ist, dass der Vater, der vor der Scheidung eine starke Bindung zu den Kindern hatte, die kurzen Besuche mit der anschließenden Verabschiedung als qualvoll erlebt und durch Verminderung der Kontakt­häufigkeit sein Leiden zu vermindern sucht. Er fühlt sich als "Besuchsonkel" und ist frustriert (FTHENAKIS Wassilos, Väter, Band 2 - Zur Vater-Kind-Beziehung in verschiedenen Familienstrukturen, München 1985, S. 70-71). (...)
Besonders gefährdet scheinen überraschenderweise manchmal gerade jene Vater-Kind-Beziehungen, bei denen vor der Scheidung eine starke Bindung vorlag, insbesondere dann, wenn der Vater den Trennungsschmerz nach den Besuchstagen nicht verkraftet. Solche Väter, die stark unter der Trennung von den Kindern leiden, distanzieren sich mitunter emotional von den Kindern, damit sie die Situation als weniger schmerzvoll erleben (FTHENAKIS Wassilos E., NIESEL Renate, KUNZE Hans-Rainer: Ehescheidung. Konsequenzen für Eltern und Kinder; München-Wien-Baltimore 1982, S. 138).
Die Studie von Wallerstein & Kelly (WALLERSTEIN J.S., KELLY J.B.: Effects of divorce on the visiting father-child-relationship.
In: American Journal of Orthopsychiatry 137, S. 1534-1539) wird bestätigt durch die Untersuchungen von Edward Kruk (KRUK Edward: Divorce and Disengagement: Patterns of Fatherhood Within and Beyond Marriage, Halifax 1993) sowie in: Kruk E., Psychological and Structural Factors Contributing to the Disengagement of Noncustodial Fathers After Divorce, Family and Conciliation Courts Review 29 [2], S. 81-101), der vierzig nicht­sorge­berechtigte, zurück­gezogene Scheidungs­väter befragte. (...) Als besonders belastend schilderten die meisten Befragten den nach jedem Besuch wieder­kehrenden Trennungs­schmerz. Bei Vätern, die sich während der Ehe als aktive Väter sehr intensiv um ihre Kinder gekümmert haben, kann die räumliche Trennung von ihren Kindern und der seltene Kontakt chronische Trauer auslösen. Die Unfähigkeit sich an die Abwesenheit der Kinder zu gewöhnen und ein teilweiser Rollenverlust lassen eine depressive Symptomatik, sowie Resignation aufkommen. Der Vater erlebt einen ausgeprägten Verlust, wissend, dass das Objekt der Trauer lebendig jedoch abwesend ist. Solche zuvor sehr aktiven und stark beteiligten Väter beschreiben sich häufig als entwurzelt, hoffnungslos und niedergeschlagen, da sie die während der Ehe erhaltene Befriedigung und Bestätigung durch ihre Vaterschaft vermissen. Kruk zitiert Merton (1968), der meint, dass Rollenverlust zu totalem Rückzug bis hin zu dissoziativem Stupor führen kann.
Dass die Väter dann trotz der großen Sehnsucht nach ihren Kindern den Rückzug antreten, klingt paradox. Diese Reaktion wird allerdings verständlich, wenn man versteht, welchen Schmerz die Betroffenen erleben, sowohl durch die ständig wiederkehrenden Trennungen nach den kurzen und oft recht oberflächlich gehaltenen Besuchen, als auch durch die Wegnahme des Mitsprach­rechts in Bezug auf die kindliche Erziehung. Den meisten dieser zurückgezogenen Vätern ist bewusst, dass das Kind Anrecht auf den Kontakt hat und, dass die Verbindung zum Vater sehr wichtig ist. Daher versuchen sie trotz allem Kontakt zu halten, doch nicht allen gelingt das auf Dauer. Ein britischer Vater meint dazu: ... Die Auswirkungen auf den Vater sind zweischneidig. Ein kleines bisschen Kontakt ist für jemand, der sich wünscht, ein Vollzeit-Vater zu sein, ein Brosamen vom Tisch des Reichen, und ich glaube, dass dieses bisschen Kontakt viel zur Verzweiflung des Vaters beiträgt, wenn er weggeht oder wenn das Kind weggeht. Aber dieser Vater ist erwachsen und ich denke, dieser emotionale Schaden des immer wiederkehrenden Schmerzes beim Verlassen des eigenen Kindes muß um des Kindes Willen ertragen werden.»
 - (Entnommen der deutschen Übersetzung: pappa.com/studie/kruk-Vater-geht-Warum.htm)[8]

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass gerade solche Väter, die vor der Scheidung bzw. Trennung sehr stark an der Erziehung beteiligt waren und bei denen intensive Bindungen zwischen ihnen und ihren Kinder bestanden, die negativen Auswirkungen des Verlustes oder der Abwesenheit ihrer Kinder am Schärfsten erfahren und gerade deswegen das größte Risiko haben, den Kontakt zu ihren Kindern zu verlieren. Während Väter, die zuvor beruflich stark engagiert waren und sich daher nicht so intensiv mit ihren Kinder beschäftigen konnten, nach Fthenakis mit dem üblichen Minimalumgang an jedem zweiten Wochenende oft gut zurecht kommen, ist bei "aktiven" Vätern das Gegenteil der Fall.

Diese Einschätzung bestätigt auch die neue Landesleiterin von Rainbows Tirol, Barbara Baumgartner. Auch in Österreich lebten 90 bis 95 Prozent der Trennungskinder überwiegend bei ihren Müttern. Bereits nach drei Jahren hätten 40 Prozent von ihnen keinen Kontakt mehr zum zweiten Elternteil, daher fast immer nicht mehr zum Vater. Wenn Kontaktrecht und die gemeinsame Obsorge verweigert bzw. vom Gericht nicht zuerkannt würden, sei das gerade für die engagierten Väter tragisch. Die meisten resignierten dann irgendwann einfach.[9]

Einzelnachweise

  1. "Was es bedeutet, wenn aus Männern aktive Väter werden" von Roland Kopp-Wichmann
  2. Untersuchung von Schmidt-Denter 1984 erwähnt in: "Bindung und Bonding - Konzepte früher Bindungsentwicklung des Menschen", Ahnert, Dornes 2004, Oerter & Montada 2002 (20 Seiten PDF)
  3. 3,0 3,1 Corinna Budras: Elternzeit: Kein Verlass mehr auf die Männer, FAZ am 1. Oktober 2013 (Unternehmen erleben einen Ansturm von Vätern, die in Elternzeit gehen wollen. Sogar agile Fünfzigjährige tauchen zuweilen in den Büros ihrer Chefs auf und fordern Baby-Auszeiten. Nur die wenigsten Betriebe sind darauf vorbereitet.)
  4. Philipp Krohn: Männer nehmen Elternzeit: Väter in Vollzeit, FAZ am 15. November 2012 (Ein Viertel der Väter nimmt heute eine Elternzeit. Wer allerdings ein Jahr von der Arbeit wegbleibt, gilt als Exot - und wird mit Fragen konfrontiert, die sonst nur Frauen kennen.)
  5. Forsa-Studie über Väter
  6. Birgit Gärtner: Jammernde Väter, Heise am 5. August 2010
  7. Birgit Gärtner: Die Sorge der Mütter und die Rechte der Väter, Heise am 15. August 2010
  8. Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung - Diplomarbeit von Irene F. Labner im August 2005 an der Universität Innsbruck, Studienrichtung Psychologie
  9. Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2013 Fast Hälfte der Trennungskinder hat keinen Kontakt zum Vater