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In diesem Portal werden Beiträge zum Thema "Wechselmodell" veröffentlicht. Einen Teil der Texte habe ich in der Zeit von Dezember 2011 bis Juni 2015 für das Online-Lexikon "WikiMANNia" verfasst. Außerdem wurden Textblöcke eingearbeitet, die ich für die Urfassung des Artikels "Wechselmodell" von Wikipedia geschrieben hatte (im Dezember 2011 ursprünglich unter dem Titel "Paritätsmodell" eingestellt). An dieser Stelle erscheinen die Texte nun in einer neuen, übersichtlicheren Gliederung und frei von unerwünschten Ergänzungen. Dazu werden sie regelmäßig aktualisiert.

 

Im Familienrecht steht der Begriff "Wechselmodell" für verschiedene Möglichkeiten zur Regelung des Umgangs, mit denen Eltern das Prinzip der gemeinsamen Sorge für ihre Kinder auch nach einer Scheidung bzw. Trennung tatsächlich leben können. Ein "echtes" Wechselmodell liegt vor, wenn die Betreuungszeiten (entweder durch freiwillige Vereinbarung der Eltern der nach einem entsprechenden Entscheid des Familiengerichts in einem Umgangsverfahren möglichst genau hälftig zwischen Mutter und Vater aufgeteilt werden. Andere Bezeichnungen sind Paritätsmodell (von lat.: paritas‚ Gleichheit), "paritätische Doppelresidenz", "Doppelresidenzmodell", "abwechselnde Beherbergung", "alternierende Obhut", "Bilokationsprinzip", auf Englisch "Joint Custody" und "Shared Parenting". Außerdem wird zuweilen von "hälftiger Betreuung" gesprochen. Für die konkrete Ausgestaltung der Umgangsregelung gibt es viele Möglichkeiten. Häufig wird ein wöchentlicher, mitunter ein zweiwöchentlicher Turnus praktiziert. Insbesondere bei jüngeren Kindern wählt man wegen des altersabhängigen kindlichen Zeitempfindens aber auch kürzere Intervalle bis hin zu halbtäglichen Wechseln.

 

In Deutschland hat die Zahl der Gerichtsverfahren, welche um das Sorge- bzw. Umgangsrecht kreisen, mittlerweile eine schwindelerregende Höhe erreicht: Nach den Angaben des Statistischen Bundesamte gab es 2014 genau 56.400 Umgangs- und 146.862 Sorgerechtsverfahren.[1]

 

Lange Zeit wurde - wohl oft zu Recht - beklagt, dass sich Väter zu wenig bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder engagiert haben. Anders gesagt dachte zumindest die große Mehrheit der Väter in der Vergangenheit, es würde ausreichen, der Familie durch Erwerbsarbeit die nötigen materiellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Beginnend in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat jedoch eine wachsende Zahl von Vätern ein komplett anderes Rollenverständnis entwickelt. Diese Väter bringen sich intensiv in das Leben ihrer Familie ein, wirken engagiert bei der Erziehung ihrer Kinder mit und übernehmen ganz selbstverständlich Aufgaben aus dem Bereich der Hausarbeit. Anders gesagt tun viele Männer seit etlichen Jahren genau das, was Politiker, Soziologen, Sozialpädagogen usw. von den Männern insgesamt schon seit Jahrzehnten verlangen. Sie sind "aktive Väter", die, wie es im Soziologengeschwurbel heißt, eine paritätische Verteilung der beruflichen und familialen Aufgaben zwischen den Geschlechtern bejahen und leben. Sie verbringen viel Zeit mit ihren Kindern und lieben ihre Kinder genauso, wie ihre Kinder sie lieben.

 

Wenn nun solche Väter mit einer Trennung konfrontiert werden, erwarten sie selbstverständlich, dass ihnen gestattet wird, diese Qualität der Beziehung fortzusetzen. Aber an diesem Punkt erleben Väter hierzulande meist eine böse Überraschung: Ihr an sich völlig normaler Wunsch wird ihnen durch die geballte Blödheit und Voreingenommenheit der Akteure im deutschen Familienunrecht systematisch verweigert. Letzteres ist umso unbegreiflicher, weil die geschilderten gesellschaftlichen Entwicklungen seit geraumer Weile von wissenschaftlichen Erkenntnissen flankiert werden, nach denen Väter für die gesunde Entwicklung und eine gute Sozialisation von Kindern genauso wichtig sind wie Mütter (→ Hauptartikel: Zur Bedeutung von Vätern). Umgekehrt hat sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass das weitgehende Verschwinden von Vätern aus der Erziehung ihrer Kinder für jene oft gravierende Folgen hat (siehe dazu auf der Seite "Die Folgen des Status quo").

 

Die inzwischen von vielen Experten aufgezeigten negativen Folgen des Bildungsmatriarchats in Kindergärten und Schulen weisen in die Richtung, dass gerade im Fall eines Auseinanderbrechens der Familie die Notwendigkeit besteht, den Kindern ihren Vater als männliche Identifikationsfigur zu erhalten. Das geht aber nur durch fortgesetzte gleichwertige Teilhabe an der Erziehung; Genau die ist bei der herkömmlichen Regelung des Umgangs im Trennungsfall jedoch nicht gegeben. Der "Deutsche Kinderärztekongress" hat im Jahr 2007 festgestellt, dass in Deutschland mittlerweile bei jedem dritten bis fünften Kind psychische Auffälligkeiten zu beobachten sind;[2] die überwiegende Mehrzahl dieser Kinder wächst bei alleinerziehenden Müttern auf. Mithin steht fest: Diese gesellschaftliche Katastrophe wird in den meisten Fällen durch Trennungskriege und untaugliche Umgangsmodelle provoziert.

 

Bei den besagten Müttern handelt es sich häufig um emotional instabile, mitunter sogar psychisch gestörte Persönlichkeiten, die sich krankhaft an ihre Kinder klammern und den Umgangswünschen aktiver Väter mit hysterischer Abwehr begegnen. Leider findet dieser Typus nach wie vor die Unterstützung vieler sogenannter „Professioneller“ in den Beratungsstellen, Jugendämtern und Familiengerichten. Letztlich funktioniert das Ganze nach dem Prinzip Erpressung: Die Mütter jammern und weinen, wie schlimm es für sie wäre, wenn man ihnen „ihre“ Kinder „wegnehmen“ würde. Für den Fall, dass tatsächlich jemand die unerhörte Möglichkeit in den Raum stellt, dass sie sich den Umgang mit dem Vater teilen müssten, beginnen sie zu rasen und stoßen wüste Drohungen aus, was dann passieren würde (insofern ist verständlich, warum beispielsweise einer der führenden amerikanischen Männerrechtler, Warren Farrell, befindet, dass es, wenn kein Wechselmodell zustande käme, für Kinder die zweitbeste Lösung wäre, beim Vater aufzuwachsen; mehr dazu im Beitrag "alleinerziehende Väter"). Während solche Frauen in anderen Ländern längst den gebotenen Schuss vor den Bug erhalten, fällt den Entscheidern in Deutschland seit ca. 20 Jahren nichts Besseres ein, als mit den Achseln zu zucken und derart brachial agierenden Müttern ihren Willen zu tun. „Seit ca. 20 Jahren“ deshalb, weil die Dipl.-Sozialarbeiterin und Mediatorin Christine Knappert dieses Phänomen schon 1998 als eine „Strategie des Kopfschüttelns“ beschrieben hat, die bei den Familiengerichten zum Schaden der Kinder leider überaus erfolgreich sei.[3]

 

Das paritätische Wechselmodell ermöglicht es Vätern, sich auch nach einer Trennung in angemessener Weise bei der Erziehung ihrer Kinder einzubringen. Im konventionellen Residenzmodell ist das allein aus Zeitgründen nicht machbar. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es ist blödes Geschwätz, wenn Familienrichter glauben machen wollen, als Vater könne man auch mit dem Minimalumgang an jedem zweiten Wochenende noch positiven Einfluss auf die Entwicklung seiner Kinder nehmen (selbst wenn, wie beim sogenannten "großzügigen" Umgang, noch jede zweite Woche ein Tag zusätzlich spendiert wird, geht das nicht). Jeder Richter und jeder Politiker, der ein Festhalten am konservativen Umgangsmodell befürwortet, sollte so ehrlich sein und zugeben, dass er damit einer Verbannung der Väter aus dem Leben ihrer Kinder das Wort redet.

 

Viele Frauen, auch solche, die während der Paarbeziehung das Engagement ihrer Partner bei der gemeinsamen Sorge um die Kinder sehr begrüßt haben, verweigern nach der Trennung plötzlich eine paritätische Aufteilung der Umgangszeiten. Das deutsche Familien"recht", das diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient, ermöglicht leider nach wie vor die kindeswohlschädliche Ausgrenzung von Vätern durch egoistische Mütter, die laut übereinstimmender Feststellungen von Psychologen allein von Geschlechts wegen in der Regel deutlich weniger bindungstolerant sind als Väter (siehe dazu im Artikel "Alleinerziehende Väter").

 

Angesichts der großen Zahl von mittlerweile ca. 250.000 Kindern, die pro Jahr die Scheidung bzw. Trennung ihrer Eltern erleben, besteht akuter Handlungsbedarf. In vielen europäischen Ländern hat man längst erkannt:

 

Die gesetzliche Gleichstellung der paritätischen Betreuung ist der einzige Weg, um zu verhindern, dass erziehungswillige Väter weitestgehend oder sogar ganz aus dem Leben ihrer Kinder verschwinden.

 

Und: Ohne diesen schon seit Jahren überfälligen Schritt werden weiterhin jedes Jahr einige Zehntausend Fälle hinzukommen, in denen Eltern sich heillos zerstreiten und in jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen um das Sorge- bzw. Umgangsrecht aufreiben.

 

Am schlimmsten ist dabei allerdings die zwangsläufige, mit dem Elternkonflikt einher gehende Traumatisierung der betroffenen Kinder. Diese gälte es eigentlich unbedingt zu vermeiden. Bislang sind jedoch sowohl unsere Politiker als auch unsere Richter bis hinauf ins Bundesverfassungsgericht mehrheitlich schlicht und ergreifend zu dämlich - teilweise wohl auch einfach nur desinteressiert oder aber korrupt bis zum Anschlag - um diesen schlimmen Zuständen ein Ende zu bereiten. 

 

In etlichen Ländern der westlichen Welt wurde das Paritätsmodell inzwischen gesetzlich verankert, so beispielsweise in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Schweden, Norwegen, Spanien, Griechenland, USA, Kanada und Australien. Ab 2016 ist die gleichwertige Betreuung von Trennungskindern durch Mutter und Vater sogar in der Schweiz gesetzlich geregelt. "Sogar" deshalb, weil dort die Vorurteile gegen erziehungswillige Väter bei den Behörden und Gerichten genauso groß waren, wie sie es hierzulande bei vielen Schwachköpfen nach wie vor sind. Und erst im Oktober 2015 hat das Europäische Parlament erneut eine Resolution verabschiedet, in der den letzten, hartnäckigen Verweigerern nochmals dringend nahegelegt wird, das Wechselmodell als die zu bevorzugende Form der Umgangsregelung endlich per Gesetz zu verankern. Momentan gehört Deutschland zusammen mit Österreich tatsächlich zu den letzten Staaten in Europa, die sich einer Entscheidung verweigern, die aus Gründen der Menschlichkeit gegenüber Kindern und Vätern längst überfällig ist!

 

Natürlich werden paritätische Wechselmodelle in diesen Ländern nicht verbindlich vorgeschrieben; sie sind jedoch als eine mögliche bzw. die prinzipiell ideale und damit privilegierte Art der Umgangsgestaltung im Gesetz berücksichtigt. Beispielsweise entscheiden sich in den USA rund 25 % der Eltern für das Paritätsmodell. Dieser Prozentsatz entspricht in etwa der Zahl, die einschlägige Studien bei uns als besonders engagierte Väter ausgemacht haben. In Belgien wird die Doppelresidenz derzeit in 27 % der Nachtrennungsfamilien praktiziert. Bei uns sind es Schätzungen zufolge erst 10 bis höchstens 15 %. Vielen an sich bereitwilligen Vätern wird also eine gleichwertige Mitwirkung an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder verwehrt, dies oft gegen den erklärten Willen der betroffenen Kinder. Mangels gesetzlicher Regelung, die das Paritätsmodell als mögliche Option auch gegen den Willen der Mutter legitimiert, scheitert es im Trennungsfall bislang noch häufig am Widerstand von Müttern; dies selbst dann, wenn sich die Eltern zuvor die Erziehungsleistungen geteilt haben und sogar in Fällen, bei denen die Väter zuvor den Part des Hausmanns innehatten.

 

Gegen die Ergebnisse unzähliger Studien, welche die Vorzüge des paritätischen Wechselmodells klar herausstreichen, vertreten in Deutschland viele Richter und ihre Helfershelfer immer noch unverdrossen auf extrem einseitige Weise die eigennützigen Interessen von Müttern. Dabei ist die von Juristen und Politikern aller Couleur heuchlerisch beschworene gerechte Prüfung des Einzelfalls unter dem Aspekt des Kindeswohls, für jeden neutralen Betrachter erkennbar, bloß ein dümmliches Lügenmärchen. Nicht zuletzt dank der Berichterstattung über dubiose Gutachten ist es mittlerweile im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen, dass Sorgerechts- bzw. Umgangsverfahren hierzulande immer noch von den Vorurteilen mütterfreundlicher Familienrichter dominiert werden: Verfahrensbeistände und Gutachter erhalten zumeist keine Gelegenheit, neutral zu arbeiten, sondern der Richter teilt ihnen gleich zu Beginn des Verfahrens seine "Vorstellungen" mit (laut der mir gegenüber getätigter Aussage eines Sozialpädagogen, der wechselweise als Verfahrensbeistand oder Gutachter agiert, ist dies der Normalfall). Umgekehrt ist zu beklagen, wie viele Vertreter der betreffenden Professionen sich von Richtern korrumpieren lassen und die Bereitschaft zeigen, Väter auf eine brutal-menschenverachtende, oft auch ausgesprochen hinterhältige Art und Weise zu diskreditieren, damit der Richter die Kinder der Mutter zuschanzen kann. Es gibt wohl kaum ein Rechtsgebiet, in denen Verfahren auf derart grobe Weise manipuliert werden wie in Familiensachen: Tausende Väter (und einige Mütter) erleben jedes Jahr aufs Neue, wie Richter und ihre Helfershelfer gerade in diesem hochsensiblen Bereich die simpelsten Anforderungen an ein faires Verfahren missachten und damit das Recht auf eine Weise vergewaltigen, die man in einem angeblichen Rechtsstaat nicht für möglich halten sollte.

 

Ein trauriger Nebeneffekt ist, dass Mütter bei derartigen Schmierenkomödien geradezu ermuntert werden, den Ex-Partner bzw. Gatten hemmungslos zu verunglimpfen. Streittreibende Anwälte und voreingenommene Mitarbeiter des Jugendamts leisten dieser Tendenz in der Regel noch Vorschub. Durch die oft jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen werden die betroffenen Kinder psychisch massiv belastet und die von den "Professionellen" so gerne beschworene "Nachtrennungsfamilie" wird irreparabel beschädigt; damit ist die Zerstörung der Familie gänzlich geglückt. Aus dieser Misere gibt es nur einen Ausweg: Die gesetzliche Implementierung des paritätischen Wechselmodells als Regelfall.

 

Nach dem jüngsten Beschluss der Betonköpfe vom Bundesverfassungsgericht deutet jedoch einiges darauf hin, dass der verlogene Irrsinn in Deutschland zum Schaden zigtausender betroffener Kinder noch etliche Jahre andauern wird. Die Texte in diesem Portal sollen dazu beitragen, die Zeitspanne, bis sich die Zustände endlich auch bei uns zum Besseren ändern, etwas zu verkürzen.

 

Bis es endlich soweit ist, sei eines klar gesagt:

 

Angesichts der Klagen von Vätern über die Häufigkeit und das Ausmaß der Manipulationen, denen sie in Umgangsverfahren von Seiten parteiisch agierender Familienrichter und ihrer Gehilfen ausgesetzt sind und vor dem Hintergrund der für Kinder und Väter extrem einschneidenden Folgen ist es angebracht, die aktuelle Praxis vor deutschen Familiengerichten als systematisch verübte Justizverbrechen zu bezeichnen, wobei sich die Zahl der Fälle, auf die eine solche Einschätzung zutrifft, pro Jahr in einem sechsstelligen Bereich bewegen dürfte.

 

Cochem, im September 2015

 

Markus Haupts

 

 

Quellen

 

1. Die "Welt" 21.04.2016: Trennungskinder sollen mehr als ein Zuhause haben

2. Befreiungsbewegung für Männer, Paul-Hermann Gruner, Eckhard Kuhla, ISBN-13: 978-3-8379-2003-1, März 2009, S. 153

3. Christine Knappert: Wenn ein Elternteil nicht will, kann man nichts machen!?, 1998

 

 

PS: Die Beiträge "Erziehungsfähigkeitsgutachten", "Jugendamt Cochem", "Rechtsstaat", "Uneidliche Falschaussage" und "Verletzung von Privatgeheimnissen" gehören nicht zum Blog "Wechselmodell", sondern es handelt sich um Seiten, die mit Beiträgen meines Blogs "Familienunrecht.de" verlinkt sind, auf der Webseite der betreffenden Domain jedoch nicht mehr untergebracht werden konnten, weil der Speicherplatz dort erschöpft ist.